 |
|
Knappe Alrik Pelmen Gardenwall
Bruder Alrik, Knappe vom Orden des Heiligen Golgari
und Diener Golgaris
Geboren wurde Alrik Pelmen Gardenwall in
der Stadt Eslamsbrück in Tobrien. Obwohl er viele Veränderungen
durchmachte ist das Erscheinungsbild des drahtigen fast 9 Spann grossen
Burschen immer gleich geblieben. Seine pechschwarzen Haare träg er offen
und ungekämmt, was nicht heissen soll, dass er auf sein äusseres kein Wert
legt. Die Körperhaltung ist etwas gebeugt, als habe er eine Last zu
tragen, die er nicht ablegen kann. Doch die grösste Auffälligkeit sind
seine pechschwarzen Augen; "In seinen Augen sieht man das Nirgendmeer"
sagte einst ein Bekannter. Alriks Augen scheinen vielen Angst zu machen.
Was im Kampf als Vorteil erscheint verwandelt sich im Leben zu einer
Belastung. Deshalb versucht er sein Gesicht durch Kapuzen zu verdecken.
Über seinen Eltern und seiner Schwester weiss man nur das wenigste. Sein
Vater Grimmwulf war ein Borongeweihter, der beim Kampf um Ysilia fiel und
Mutter Nadjescha ist zu Zeit ihn ihrer Heimat, dem Bornland. Dort
eröffnete sie im Städtchen Blütenfeld vor kurzer Zeit eine kleine Taverne.
Seine ein Jahr jüngere Schwester Lia gilt als verschollen. Die letzte
Nachricht die er von ihr kriegte war vor drei Monaten. Dort hiess es, dass
sie dem tobrischen Widerstand beigetreten ist. Trotz des Optimismus, den
er nach aussen hin trägt, hat er sich innerlich schon längst mit den
Gedanken abgefunden seineSchwester niemals wieder zu sehen.
Es war tief in der Nacht als Nadjescha plötzlich Schmerzen fühlte. Schnell
rief sie nach dem Medicus der auch sofort kam, als schien er erwartet zu
haben, dass es in diese Nacht zur Geburt kommen würde. Als die Geburt kurz
bevorstand, flog ein grosser Rabe vor das Fenster und fing an zu krähen
und hörte erst wieder auf, als der Säugling seinen ersten Schrei von sich
gab. Der Medicus berichtete später, dass es dieser Rabe war, der ihn mit
seinem
Gekrähe die Nacht über wach gehalten hatte.
Doch schon kurz nach seiner Geburt mieden ihn die Menschen. Selbst die
engsten Freunden der Familie fanden ihn unheimlich. Sie meinten, dass
irgend
etwas mit ihm nicht stimmte. Nur sein Vater der erst ein Tag später sein
Kind in den Armen hallten konnte, liebte ihn abgöttisch. Später sagte er
mal: "Von ihm geht eine Aura der Ruhe aus und seine Augen zeigen
einem eine
andere Welt, eine Welt die nur aus einem grenzenlosen Meer zu bestehen
scheint". Seit seiner Kindheit mieden ihn die anderen Kinder.
Deshalb hatte
er nie viele Freunde. Die wenigen Freunde die er hatte, veränderten sich
mit
der Zeit, jedenfalls meinten dies ihre Eltern. Sie wurden ruhiger,
sprachen
weniger und mieden Menschenmengen. Selbstverständlich waren es nur
Hirngespinste, trotzdem änderte es nichts daran, dass die Eltern der
Kinder
ihnen den Umgang mit Alrik verbaten. Je älter er wurde, um so besser
wurde
sein Verhältnis zu seinem Vater. Schließlich machte sein Vater den
Vorschlag, ihn einem Borontempel anzuvertrauen, damit er dort lesen und
schreiben lernen konnte. Da Alrik zustimmte, wanderte er mit seinem
Vater
zum nahen Borontempel, wo er die meiste Zeit seines jungen Lebens
verbracht
hatte. Zur seiner Überraschung gefiel ihm sein Leben im ruhigen Tempel.
Er
sagte oft: "Der Tempel ist wie eine andere Welt. Sie ist ruhig und
scheint
von der Wirklichkeit so weite entfernt zu sein."
Da er die Nähe zu Boron genoss, beschloss er sich dem Schweigsamen zu
weihen. Natürlich war es sein Vater, der ihm als erster zu seiner
Entscheidung beglückwünschte.
Um so näher er dem Vater kam, um so weiter entfernte er sich von seine
Mutter und Schwester. Nach seiner Weihe zum Diener Golgaris, wanderte er
mit
seinem Vater quer durch Tobrien und verbreitete die Lehren des
Schweigsamen.
Zu Hause war er nur noch selten. Lieber zog er aus und erkundete
Tobrien.
Doch alles veränderte sich mit einem Schlag als die Borbaradianer in
seine
Heimat einfielen. Machtlos musste er mit ansehen, wie sein Heimatland
immer
wieder geschändet wurde. Von da war sein Leben von Rache bestimmt. Sein
schlimmster Schicksalsschlag aber war, dass sein Vater bei der Schlacht
um
Ysilia fiel.
Sofort lief er nach Hause um die traurige Botschaft zu überbringen.
Verkleidet schlich er sich nach Eslamsbrück zurück, denn er wusste, dass
die
Geweihten der Zwölfe hier nicht mehr erwünscht waren, besonders solche,
die
sich ganz offen gegen die neuen Herrscher stellten. Zu seiner
Überraschung
war sein Haus leer. Weder die Mutter noch die Schwester waren zu finden.
Er
rechnete schon mit dem schlimmsten, bis ihm ein alter Freund mitteilte,
dass
sie schon seit dem einfallen der Borbaradianer weggezogen waren. Von da
an
viel er in eine tiefe Depression. Sein Vater, die liebste Person die er
auf
ganz Dere hatte, war tot. Seine Mutter und Schwester waren fort.
Die nächste Zeit verbrachte er im Widerstand, wo er sich mit todesmutigen
Aktionen und dem seelischen Beistand der Rebellen einen guten Ruf
erarbeitete. Doch so sehr er sich auch bemühte, das Sterben und so
seiner
Meinung nach auch die Erlösung, blieb ihm verwehrt. Jede Nacht erschien
ihm
im Traum ein Rabe, der immer wieder sagte: "Den Tod, junger
Bursche, muss
man sich erst verdienen."
Alles veränderte sich an jenem schicksalhaften Tag, als er zum ersten
Mal
diesen Reiter sah. Der Reiter trug eine schwarze Rüstung über den er
einen
weißen, blutbefleckten Wappenrock geworfen hatte. Alrik sah ihn genau
an. Er
wusste das dieser Schmerzen hatte, doch sie erstaunlich gut verbarg.
Also
trat aus seinem Versteck und sprach ihn an. Er fragte den Reiter, ob er
denn
Hilfe bräuchte. Der Reiter winkte ab.
Alrik bohrte weiter, ob er den nicht große Schmerzen hätte. Der Fremde
nickte leicht und antwortete, dass es immer irgendwelche Schmerzen gäbe,
doch man müsse lernen, sie nicht die Überhand gewinnen lassen. Erst
jetzt
erkannte er das Wappen des Reiters. Es war das schwarze Schwingenpaar
über
dem zerbrochenen Rad. Von da an verliess er den Widerstand und machte
sich
auf die Suche nach dem Orden des mysteriösen Reiters, der sich scheinbar
der
Puniner Kirche verschrieben hatte.
Alriks Leben war nie einfach. Es wurde geprägt durch Enttäuschungen und
grossen Verlusten die er nie richtig überwunden hat. Deshalb erwartet er
vom Leben nie etwas Gutes. Er ist gewöhnt sich alles hart zu erarbeiten
und
so lebt er auch. In manchen Augenblicken der Einsamkeit denkt er oft
nach,
ob er vielleicht den Tod seines Vaters verhindern hätte können. Zwar
kommt
er immer zum gleichen Ergebnis, dass er den Tod nicht verhindern
könnte -
und doch, die Vorwürfe nagen an seiner Seele.
Sein Leben wird auch durch den ständigen Hass gegen die Borbaradianer
geprägt. Obwohl er es sich nicht eingestehen will, sind es der Hass und
die
Rachegedanken, die ihn im Leben antreiben. Nach aussen wirkt der junge
Bursche als ruhig, als ein Beobachter, der immer auf der Lauer liegt und
ständig Gefahr erwartet. Trotz des ruhigen Eindruckes, weiss er um den
Sturm, der in seinem Herzen tobt.
Doch er weiss auch um seine Pflichten als Borongeweihter. Ständig ist er
darum bemüht, Borons Lehren zu verbreiten und die Hoffnung zu
stärken.
Abends nutzt er auch die Zeit um in borongefälligen Büchern zu lesen und
an
jedem Tag dankt er Boron und bittet ihn über jene zu wachen, die in den
Schwarzen Landen gegen die Besatzer kämpfen.
Sein Motto lautet:
"Den Tod muss man sich erst verdienen."
Text: Max Spiz
|
|
|