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Anderstett & Poppenricht

Herrscher: Junker Willbert v. Siebenstocken, vertreten durch 2 Dorfschulzen
Adelsgeschlecht: Haus Mersingen, Familie Siebenstocken
Baroniezugehörigkeit: Devensberg
Einwohner: 585 / 560 (Anderstett / Poppenricht)
Tempel: Boron, Travia; Peraine, Hesinde, Rondra-Schrein
Garnison: 5 Büttel / 4 Büttel
Besonderheiten: Ein langer Zwist trennt die beiden Dörfler in zwei Lager
Stimmung im Gut: streitlustig

"Ein Anderstetter, lieb und klein
wollt einst einmal ein Großer sein,
drum isst er fleißig wie ein Troll,
und nimmt auch oft den Mund zu voll,
und hustet, prustet, schluckt und spukt,
seht hin, wie dümmlich er dann guckt."
-Beliebter Poppenrichter Schandreim, 950 BF.

Daran, wie es zum Streit zwischen Anderstett und Poppenricht gekommen ist, scheiden sich in Devensberg die Geister. Man erzählt sich, es gäbe mehr Geschichten als Rabenmunds am Ochsenwasser. Am wahrscheinlichsten erscheint jedoch die Sage vom prächtigen Apfelbaum, der einst an der Reichstraße I gelegen, von beiden Dörfern beansprucht wurde. Der Zwist wogte lange hin und her, ehe der Baum, von den handfesten Auseinadersetzungen der Streitenden zerrüttet, letztlich einging. Lediglich eine Frucht überstand, um die auch sogleich ein erbitterter Kampf entbrannte. Heute weiß niemand mehr zu berichten, was sich in jener Nacht am Rande der Reichstraße I ereignete, doch fand seither der Begriff „Zankapfel“ Eingang in den Devensberger Wortschatz. Und da es den Göttern so gefiel, ist man sich bis heute noch nicht grün. Zwar gestaltet sich der Zwist (zumeist) harmlos; Mord und Totschlag sind nicht an der Tagesordnung, doch ansonsten ist den Dörflern beinahe alles recht, um den Nachbarn eins auszuwischen. Eine Fuhre Mist die den Weg zum nachbarlichem Gehöft versperrt, über Ausreißen der Grenzfeiler, bis hin zum Stehlen des Tsabaums, kennt die Fantasie der Parteien keine Grenzen. Nur selten lassen sich einige Übereifrige so weit verleiteten, wie im Jahre 1013 BF, als man eine Hand voll Poppenrichter Gänse ihres Federkleides beraubte. Ein echter Darpate vergisst so etwas nicht! Auch wenn viele Köhler der Region schon lange den Rücken gekehrt haben, werden die Häuser auch weiterhin aus grauem Stein erbaut, die den Schmutz der Kohletürme verbergen.

In Poppenricht steht die Schnitzkunst hoch im Kurs. Das Holzspielzeug ist so fein gearbeitet, wie man es sonst nur aus Nostria oder dem Bornland kennt. Einige dieser Stücke, sollen es gar bis ins Kaiserhaus geschafft haben. Und so gibt es in dem Dorf neben Steckenpferden und den Holzschnitzereien der Almen alles, was das Kinderherz begehrt. Kunstvoll geschnitzte Handpuppen, liebevolle gearbeitete Puppenhäuser und ausgefallene Puppenkleider, für die es hier eigene Schneider gibt. Der Reisende sollte sich also nicht wundern, wenn er in Unkenntnis der Dinge einen solchen Laden betritt, um sich einen Wams anfertigen zu lassen, und mit einem Stetzler bedacht wird. Wunderkerzen aus Khunchom stehen hier neben Zinnfiguren und Bauklötzen, und es heißt, man könne sich hier die kleine Nachbildung einer Ferrarakutsche anfertigen lassen, auch wenn man sich sonst eher auf Schlitten spezialisiert hat.

Der Name des Ortes soll darauf zurückgehen, dass hier schon immer eine Frau wohnte, die alte Puppen richtet. Diese Frau hat traditionsgemäß den Vorsitz über die Zeugmacherzunft inne. Dieser Tage durch die dicke Dythlind besetzt, die wie ihre Vorgängerinnen Puppen repariert. Um der Errichtung eines Anderstetter Borontempels zu begegnen, ließen es sich die Poppenrichter nicht nehmen, ihrem neuen Hesindetempel eine Bibliothek zu finanzieren, um so dem umherziehenden Geweihten einen dauerhaften Aufenthalt schmackhaft zu machen.

 

Text: Tahir Shaikh