 |
|
Knappe Avranches
Bruder Avranches, Knappe vom Orden des Heiligen
Golgari
Auftreten und Aussehen
Avranches ist mit seinen nicht ganz achteinhalb Spann für einen Krieger fast ein wenig klein.
Körperlich ist er in einer hervorragenden Verfassung, was bei einem Krieger allerdings kaum verwundern dürfte. So kommt es, dass der junge Kämpfer selbst in schwerer Rüstung eine elegante Figur macht. Seine hellblonden Haare sind kahlgeschoren, was die maraskanischen Gesichtszüge noch mehr betont.
Wenn Avranches nicht gerade schläft, trägt er über seiner Unterkleidung eine leichte Plattenrüstung, Panzerhandschuhe und einen Schaller – alles in den Farben des Ordens; Darüber trägt er den ordenstypischen Wappenrock in grau mit dem schwarzen gebrochenen Rad auf der Brust.
Geschichte
Tod und Leid prägten seit jeher das Leben des jungen Avranches . Das war auf Maraskan schon immer so, zuerst während des Widerstandes gegen das Mittelreich und dann im Kampf gegen Schwarzmaraskan. Bereits im Dschungeldorf, in dem er aufwuchs und wo er die Grundlagen der maraskanischen Lebensweise annnahm, die Bewunderung der Schönheit der Welt und die Wichtigkeit der Familie, lernte er, dass diese beiden Phänomene trotzdem zum Alltag gehören: Freunde und Verwandte, kehrten von ihren Streifzügen nicht mehr heim, unter ihnen sogar seine Mutter – manche wurden Opfer des Dschungels, andere der pervertierten Dämonenschergen. Alles was sie zurück ließen, war Leid und Tod.
Als Avranches alt genug war, nahm ihn sein Vater mit und lehrte ihn, wie man den Dschungel zu seinen Vorteil nutzen kann – in jeder Situation – und was es hieß, gegen die schwarzen Horden zu kämpfen. Sich mit dem Kampf im Dschungel anzufreunden, war für Avranches kein großes Problem. Er schärfte seine Sinne aufs Äußerste und entwickelte hervorragende Fähigkeiten im Klettern, Schwimmen und Schleichen, aber auch im Spuren Suchen und Verwischen und in der simplen Nahrungsbeschaffung unter widrigsten Umständen – eben alle Grundlagen, die man benötigt, um auch nur annähernd eine Chance zu haben, allein auf der Giftinsel zu überleben.
Sich mit dem Kampf gegen die Dämonenschergen anzufreunden, dagegen war ungleich schwerer. Wieder gab es Tote, nur diesmal waren es Kameraden, mit denen er Schulter an Schulter kämpfte. Und zurück im heimatlichen Baumhaus blieb die Trauer um die, die nicht zurückgekehrt sind: Tod und Leid.
Tod und Leid waren auch das einzige, woran sich Avranches später erinnern würde, wenn er an den Tag dachte, in der sein Heimatdorf überrannt wurde. Im Morgengrauen brachen sie über die Rebellen herein. Avranches musste sich irgendwo versteckt haben, während um ihn herum sein Dorf niedergemetzelt wurde. Er nutzte die erste Möglichkeit und ist in den Dschungel geflohen: schnell und unsichtbar, wie er es gelernt hatte. In einer blinden Jagt gelang es Avranches, seine Verfolger abzuschütteln. Er erinnert sich nicht mehr, wohin er floh oder wie lange er rannte. Er kann noch nicht einmal sagen, was das für Wesen waren, vor denen er geflohen ist. Er weiß nur, er ist gelaufen, bis ihm schwarz vor Augen wurde und er hat überlebt. Schon diese Tatsache ist überraschend, doch zeigt sie auch, wie intuitiv Avranches die Gesetze des Dschungels bereits verinnerlicht hatte. Doch hinter ihm liegt wieder nur Tod und Leid.
Als Avranches die Augen aufschlug fand er sich im Lager einer Expedition der Golgariten, die sich gerade auf dem Rückweg einer Mission in Schwarzmaraskan befand. Ein anwesender Diener Golgaris nahm sich des Jungen an, der mittlerweile fast sechzehn Götterläufe zählte. Während der zwei Wochen dauernden Behandlung, in denen Avranches von der Expedition mitgenommen wurde, gelang es ihm, die Ereignisse jenes Morgens zu verarbeiten und er lernt etwas, was sein späteres Leben entscheidend beeinflussen würde: Tod und Leid sind nicht miteinander verbunden. Das Leid ist nur eine Form des unvollendeten Lebens. Der Tod dagegen ist die Vollendung des Lebens und das Leben ist ein Teil des Sterbens, das im Tod Vollendung findet.
Dankbar für diese neue Erkenntnis und mit etwas Geschick der Geweihten lässt sich Avranches zum Puniner Ritus des Broonglaubens und der Lehre der Zwölfgötter bekehren. Auf seine Frage, ob es möglich ist, diese Erfahrung weiter zu vertiefen und zu verbreiten, zeigt einer der Ritter nur auf seinen Wappenrock und blickt Avranches in die Augen, ohne ein Wort zu sagen. Und Avranches versteht. Er versteht besser, als Worte je erklären könnten.
Das Leid ließ er auf Maraskan zurück – dem Tod aber widmet er sein Leben.
Text:
Konstanin Magg
|
|
|