 |
|
Knappe Barnabas von Auenwald
Bruder Barnabas, Knappe vom Orden des Heiligen Golgari
" Ihr wollt
wissen wer ich bin? Meine Ganze Lebensgeschichte?
Nun gut, ich
will euch den bisherigen Teil gerne erzählen. Aber der ist bis jetzt noch
nicht sehr lang, bin ich doch gerade erst ins Kloster Garrensand aufgenommen
worden. Also, mein Name ist Barnabas vom Auenwald. Wie ich finde ein eher
altmodischer Name, aber mein Vater hat mich eben so genannt. Ich denke, ich
beginne einfach ganz von vorne, von meinem ersten Atemzug an.
Als ich also
das erste Mal Praios Licht erblickte, lag ich gehüllt in Decken auf einem
schaukelnden Planwagen, irgendwo in Weiden. Doch meine Geburt stand wohl
unter keinem so guten Stern, denn Boron rief meine Mutter gleich nach der
Geburt zu sich, sie musste so um die 23 Götterläufe alt gewesen sein.
Sie starb, damit ich leben konnte. Seit diesem Tag leide ich unter einem steifen
linken Bein. Meinen Vater,
5. Sohn eines Dorfvorstehers und Kleinhändlers, der mit Obst und Gemüse
handelte, muss der Tod meiner Mutter sehr mitgenommen haben. Er schien nicht
verstanden zu haben, das der Tod ein Geschenk Borons ist. Jedenfalls gab
er mich nach 8 Jahren des Herumreisens, in denen er mir Bruchstücke einiger
Sprachen beibrachte, in Punin bei einer Amme ab und zog dann wieder hinaus
um weiter zu handeln und durch die Gegend zu reisen.
So wuchs ich also in Punin auf. Die
Amme behielt mich bei sich, obwohl sie sonst nur Säuglinge aufnahm. Ich
lebte im Keller, schlief auf ein paar Strohsäcken und streifte tagsüber durch die Stadt. Doch mir war das Gedränge auf den Straßen und in den
kleinen Gassen immer zuwider und ich fühlte mich nicht wohl. Ständig wurde
ich gehänselt, war ich doch der kleine Junge mit dem steifen Bein.
Mittlerweile hatte ich fast die ganze Stadt erkundet. Und besonders gerne
hielt ich mich in der Nähe des großen Boron Tempels auf.
Nicht nur das
Gebäude beeindruckte mich, sondern auch die Stille die dort herrschte, die
Geweihten wie sie in ihren schwarzen Kutten so würdevoll über den Platz
schritten und die Ritter, in ihren weißen Gewändern und den schwarzen
Rüstungen die manchmal dort vorbei kamen. Ich saß dann dort in einer
Nische, unsichtbar für die anderen Kinder die jemanden zum ärgern suchten
und beobachtete die Geweihten, wie sie ihrem Tagewerk nachgingen. Ich war
zu dieser Zeit noch ein kleiner, unterernährter Junge von 11 Jahren.
Dies
änderte sich alles an einem Abend im Firun des Jahres 12 Hal. Es hatte
geschneit und ich war unterwegs um ein paar Kartoffeln bei einem Händler zu
erstehen, der auch im Winter noch welche eingelagert hatte. Doch auf halber
Strecke sah ich einen Mann, deutlich erkannte ich die von mir so bewunderte Kutte eines Boroni, in einer Ecke einer kleinen Gasse hinter ein paar
Fässern an der Mauer eines Hauses lehnen, die Finger schon blau gefroren
und schwer atmend. Er schien recht alt zu sein und neben ihm auf dem Boden
lag ein zerbrochener Stock, der wohl einmal sein Gehstock gewesen sein muss.
Ich näherte mich langsam, hatte ich doch noch nie gewagt mich einem Boroni
zu nähern und fragte ihn leise nach seinem befinden und ob ich im helfen
könnte. Mehr brachte ich nicht über die Lippen. Er lächelte nur schwach. Er
wollte sich nicht helfen lassen. Doch damals verstand ich noch nicht, dass
er bereits mit Boron sein Einverständnis getroffen hatte und ich sann nach
irgendeiner Möglichkeit um den Geschwächten zum Tempel zu bringen. Es waren
nur wenige Schritt zum Tempelplatz und ich begann den nun schon halb
Bewusstlosen in Richtung Tempel zu schleifen.
Dies gelang mir nur langsam
und unter großem Kraftaufwand und nur, da der Geweihte von recht zierlicher
Statur war. Bis zum Rand des Tempelplatzes schaffte ich es, dann versagten
mir die Kräfte und ich musste den Geweihten wieder an die Wand eines Hauses
lehnen. Nun näherte ich mich erst schnell und je näher ich kam, umso
langsamer der Tür des Tempels. Als ich auf etwa 10 Schritt herangekommen
war, öffnete sie sich langsam und ein Junger Geweihter trat heraus. Er
musterte mich mit seinen dunklen Augen und drehte sich dann zur Seite,
wollte hinfort. Ich fasste all meinen Mut zusammen und sprach ihn an.
Und
was ich nicht für möglich gehalten hätte, geschah. Der Geweihte drehte sich
zu mir um, hörte mir zu und folgte mir tatsächlich zu dem anderen, von mir
gefundenen, halb erfrorenen Geweihten. Dann war meine Begegnung mit den
Geweihten auch schon wieder vorbei. Der Kranke wurde ins Tempelinnere
geschafft und ich blieb allein auf dem Platz zurück und es begann wieder zu
schneien. Von nun an war ich aber fest entschlossen immer in der Nähe des
Tempels zu bleiben um aufzupassen, das so etwas nicht noch mal geschieht.
Ich hegte wohl die ganze Zeit den Gedanken, dass ich unbedingt auch einer
von den Geweihten werden wollte. Und eines schönen Sommertages, im Jahr des
besagten Unfalls geschah es dann auch. Das, was ich mir so lange erhofft
hatte. Der Boron Geweihte dem ich das Leben gerettet hatte ließ mich zu sich
kommen. Ein Junge, etwas älter als ich aber in den Kleidern der Novizen
brachte mich zu einem Nebengebäude des Tempels, in dem ich von einem
Geweihten erwartet wurde. Äußerlich schrumpfte ich immer mehr zusammen aber
innerlich hüpfte mein Herz vor Freude.
Ich durfte dort bleiben, als Gehilfe
des Novizen der mich zum Tempel gebracht hatte. Und so vergingen zwei Jahre
der Ruhe, in denen ich wieder erwarten groß und kräftig wurde. Auch brachte
man mir das Lesen bei, worauf ich schrecklich stolz war. Mit meinen 13
Götterläufen war ich schon fast so groß wie die meisten Geweihten. Eines
Tages kamen 4 Ritter, mittlerweile erkannte ich sie als Golgariten, nach
Punin, um dem Raben von Punin eine Nachricht aus dem Kloster Garrensand im
Kosch zu überbringen.
Kurz bevor sie wieder abreisen wollten, beobachtete
ich, wie einer der Geweihten mit einem der Ritter redete. Wie ich später
erfuhr, hatte besagter Ritter sein Einverständnis gegeben, mich nach Garrensand zu bringen, auf Wunsch des Geweihten, dem ich das Leben gerettet
hatte. Bis heute weiß ich nicht warum, aber eines Tages stand ich vor den
großen Toren des Klosters. Ich wurde dort abgesetzt und die Ritter zogen
wieder weiter, wohin, weiß ich nicht. Bis jetzt habe ich die vier auch nicht
wieder gesehen. Jedenfalls wurde ich dann ins Kloster aufgenommen.
Hier im Kosch hatte ich meine Ruhe, keine mich hänselnden Jungen, keine riesigen
Menschenmassen. Ich merkte schnell das ich den Platz gefunden hatte, an dem
ich bleiben wollte. Und so strengte ich mich auch immer an, möglichst viel
zu lernen, die Lehren Borons zu verstehen und sie mir zu verinnerlichen. Das
einzige, womit ich anfangs Probleme hatte, war das Kämpfen. Mein Bein
bereitete mir doch ein wenig Probleme. Doch letztendlich lernte ich das
Kämpfen mit dem Rabenschnabel zu Fuß doch recht gut und vom Rücken eines
Pferdes kann ich es noch besser. So bin ich nun seit einiger Zeit im Kloster
und hoffe, bald meine erste Aufgabe außerhalb des Kloster erfüllen zu
dürfen. Vielleicht finde ich ja sogar meinen Vater wieder..."
***
Barnabas ist
ein großer Mann, mit breiten Schultern und kräftigen Armen.Sein Haar ist
braun und er trägt es schulterlang. Er hat buschige Augenbrauen und einen
kleinen Kinnbart.Barnabas hat
ein bisschen Angst vor großen Menschenmassen und vermeidet es, wenn möglich,
auf Märkte und große Feste zu gehen. Mit Kindern geht er, ob seiner
Kindheit, immer etwas hart um. Er liebt die Stille. Einen Hass auf
die Al´Anfaner verspürt Barnabas nur wenig, ist er doch noch nie einem
begegnet, doch er hat einige Vorurteile gegen sie, die bei der Erziehung im
Kloster entstanden sind.
Text:
Johannes Ruge
|
|
|