 |
|
Die Baronie Devensberg
| Herrscher: |
Baron Corvinius von Rabenmund-Mersingen ä.H. |
| Einwohner: |
2.500 (westlich des Todeswalls) |
| Edlen- und Junkersgüter: |
Gut Siebenstecken, Gut Sichlingen |
| Ortschaften: |
Devensberg (600 EW), Anderstett (585 EW) & Poppenricht (560 EW), Rochlingen (510 EW), Schwarzerden (315 EW) |
| Burgen und Schlösser: |
Burg Devendoch, Wehrturm (Zollfeste) bei Rochlingen |
| Landschaft: |
Ausläufer von Trollzacken und Schwarze Sichel, diverse unentdeckte Täler und unerforschte Wälder |
| Besonderheiten: |
Reichsstraße I, Todeswall /Ogermauer, Schlachtfeld der 3. Dämonenschlacht, Sancta Boronia (Boron-Heiligtum), Erdheiligtum bei Schwarzerden |
| Baronie-Kennziffer: |
(DAR-I-6/RAB-I-22) |
Selbstverständnis: „Wir weichen nimmer!“
Sinnspruch: "Dem Biederen Ehre und Achtung!"
Helden und Heilige - Answin Garbit Hildebald v. Rabenmund ä.H.
Weg und Steg
Reichstraße I (Greifenfurt-Eslamsroden-Wehrheim- Gallys -Altzoll-Warunk)
Landschaften
Todeswall, Trollzacken, Schwarze Sichel, Schwarztann, Finstersee
Lage
Die Baronie Devensberg liegt in der Rabenmark und wird von den Baronien Bohlenburg, Pulverberg , fsl. Wolkenried und Aschenfeld umgeben. Der Ostteil der Baronie, jenseits des Todeswalls, ist zum Teil noch unter der Kontrolle des Nekromantenrats zu Warunk.
Devensberg mit Sancta Boronia, Todeswall und Burg Devendoch, © Caryad
Land und Leute Der starke Boronglaube des neuen Herrn von Devensberg drängt sich zunehmend ins Zentrum des klerikalen Wirkens, dennoch sind die Gebote Travias noch allgegenwärtig. Zwar mögen sich die Leute heuer den 12ten Ritter, anstatt des Hl. Travinian ins Haus holen, doch auf Gastfreundschaft hält man hier viel, wenn auch genau hingeschaut wird, wen man denn da in die gute Stube holt. Wer hier durch schlechte Manieren oder wilde Ausschweifungen misslich auffällt, sieht sich schnell mit einem Laib Brot und einem Wasserschlauch vor die Tür gesetzt. Hier geht es gesittet zu und so soll es nach Willen der Menschen auch bleiben. Dementsprechend misstrauisch werden Neulinge beäugt und dies ist Jeder, der nicht bereits seit vielen Jahren hier wohnt...
Die Dörfer und Weiler der Region sind verschworene Gemeinschaften, die der ehelichen Treue großen Wert beimessen, was sich nur in der biederen Kleidung widerspiegelt, die von knöchellangen Kleidern, hellen Schürzen und weißen Häubchen dominiert wird. Eine unzüchtig gekleidete Magd mag schnell an einen der vielen Gutherrn geraten, die im Auftrag der Traviakirche und mit Segen des Markgrafen, unermüdlich die Rabenmark bereisen und den Erhalt von Sitte und Anstand anmahnen. Dort wo es den, in altmödische, schwarze Mäntel gekleidete Laienprediger notwendig scheint, halten sie langwierige Messen, zu dem sich alle Einwohner einzufinden haben, um den Lehren der Herrin Travia zu lauschen und auf den Rechten Pfad der Tugend zurück zu finden.
Ledige werden hier regelrecht zur Heirat gedrängt, diese zu scheiden sich die Devensberger Traviageweihte oft weigert. Leichtlebige Gesellen geraten ebenso schnell zu gemiedenen Außenseitern wie Ehebrecher und suchen ihr Glück oft in der Ferne. Demnach haben Rahjadiener einen schweren Stand bei Adel und Volk, deren züchtiges Gebahren vom moralbessenen Baron noch gefördert wird. Wenig dringt hier nach Außen, denn Schwatzhaftigkeit gilt nicht nur den hiesigen Boronis als unbotsame Schwäche. Doch hinter der Fassade des biederen, götterfürchtigen Dorflebens, verbergen sich häufig tief verwurzelte Familienfehden, versteckte Neidschaften und vererbte Geheimnisse, die allzeit aufzubrechen drohen.
Winterhochzeit:
Eine Besonderheit der Baronie ist die Winterhochzeit. Wenn im Firunmond, die Schwarztannen ihr weißes Kleid anlegen, beginnt für die Devensberger die Brautschau. Auf flinken Freiersfüßen buhlen die Aspiranten um hübsche Maiden und ansehnliche Burschen, stets misstrauisch von deren Müttern beäugt und nicht selten verjagt. Wer trotz aller Widrigkeiten eine Braut für sich gewinnen konnte, eine Familie will schließlich ernährt sein und die Zustimmung des Barons ist auch einzuholen, lässt der Heiratswillige dies die Umgebung durch einen Festumzug wissen. Bunte Bänder hängen vom Zaumzeug der kräftigen Zugpferde herab und der mit traviagefälligen Symbolen bemalte Wagen kennzeichnen die Brautschau. Die Braut wird Schicht um Schicht in prächtige Röcke gehüllt. Ihre Beine werden mit grünem Filz umschlagen, die von roten Bändern gehalten werden, die einem immer gleichen Muster folgen. Zuletzt folgen Schleier und Blütenkrone.
Zwar hält der Baron offiziell sein Anspruch auf das Ius Primae noctis aufrecht, doch gilt es als offenes Geheimnis, dass er dieses Recht noch nie von seinen Hörigen einforderte. Sicher einer der Gründe für die vielen Traviabünde in der Freiherrschaft. Wo in progressiven Landstrichen die Funktion des Trauzeugen zu einem bürokratischen Akt zu geraten droht, hat sich am Darpat die ursprüngliche Bedeutung erhalten. Das traditionell im Haus des Brautvaters gefeierte Verlöbnis, ist gleichsam rituelle Verkündung, wie eine Prüfung von List und Schneid. Solange Praios Auge ruht, bleibt Zeit, die Braut auf die heimatliche Burg zu „entführen“. Alleine sein Trauzeuge darf ihm dabei zu Hilfe sein, der oft als Bedeckung dient, während das Paar zu entkommen sucht. In aller Regel liest dabei kein Blut, auch wenn es zuweilen wild zu und her geht, will man doch am nächsten Tage zusammen prassen. In seltenen Fällen, wenn Standesdünkel, Fehde oder Eifersucht die Parteien trennt, kommt es aber zu tragischen Schicksalen, wie das von Ritter Bertlind von Myndonk, der jahrelange Kerkerhaft erduldete, als er der geraubten Braut seines Junkers den Weg bereitete, aber noch auf der Zugbrücke seinen Verfolgern in die Hände fiel. Nur gegen seine Tochter wolle der Vater den Gefangenen freilassen. Da diese jedoch mit der Heirat am nächsten Morgen in den Haushalt ihres Gatten eintrat, war dies unmöglich. Unerweichlich bis zu seinem Dahinscheiden, ließ der Alte den treuen Bertlind für diesen Bund schmachten.
Leichenfest:
Zum Totenfest eines Verstorbenen werden allerlei Klagelieder angestimmt, die den Toten auf seiner Reise übers Nirgendmeer begleiten sollen. Eingedenk der vielen Boronis in der Baronie, sind diese Lieder zwar zunehmend leiser geworden. Ganz davon lassen, wollen sie aber nicht. Man hält viel auf alte Traditionen und setzt trotz Armut auf feine Gewänder. Der Aberglaube in Devensberg zieht sich durch alle sozialen Schichten und ermöglicht den in Boronia ansässigen Wahrsagern, Quacksalbern und Teilzeitpropheten ein stetes Auskommen. War der männliche Verstorbene ledig, ist bei seiner Beisetzung eine reich geschmückte Braut anwesend, um böse Geister fernzuhalten. Das folgende, von den Hinterbliebenen ausgerichteten Festmahl soll der Gemeinde den durch den Tod entstanden Verlust mildern.
Großer Abtrieb:
Alljährlich, wenn Firuns kalter Atem naht, ist der Almtag, auch Zähltag genannt, nicht fern. An diesem Tage werden die Herden der umliegenden Bauern von den hoch gelegenen Weiden und Almwiesen hinab ins Tal getrieben. Hier wird je nach Ertrag und Aufwand das Grasgeld verteilt. Für 10 Liter Milch werden 5 Stücke Käse, oder 1 Silberling, ausgezahlt. Zwar sind die Schafe und Rinder gebranntmarkt, dennoch kennt man sein Vieh und verläst sich auf besonders markante Merkmale. Oft sind sie das gesamte Vermögen einer Familie und werden dementsprechend gut versorgt. Nahe liegend, dass es dabei nicht immer ruhig zugeht. Viele Einwohner der Region finden sich zusammen, um dem Spektakel beizuwohnen, das in einem gemeinsamen Festessen beim Großbauern gipfelt.
Devensberg:
Der Baronsort Devensberg wurde in den vergangenen Kämpfen arg gebeutelt. Was in
Jahrhunderten des friedlichen Aufbaus gewachsen, ward in wenigen Jahrzehnten dahin.
Ogerschlacht und Borbaradkrieg, Requirierende Armeen und plündernde Landsknechte, kalte Alriks und ein besonders strenger Winter haben ihren Tribut gefordert und haben Teile des einstmalig so schmucken Orts verfallen lassen. Auch wenn der Wiederaufbau zügig vonstatten geht, zeugen niedergebrannte Häuser, verwüstete Äcker, verdorrte Bäume und leere Weiden von den Schrecken der Vergangenheit. Einzig die mächtige Feste Devendoch erhebt sich stolz wie
eh und je auf der höchsten Anhebung des Tals und ragt drohend über dem Todeswall auf. Umgeben ist die stark befestigte Ordensburg von einem dreiteiligen Verteidigungsring aus Palisaden, Wehrmauern und Vorhöfen, die ein Erstürmen zu einem Alveranskommando geraten lassen. Es heißt, nur Veteranen, die bereits in Tobrien den Dämonenhorden gegenüber standen, dürfen hier Dienst tun. Oder müssen, wie Ritter und Knappen zu wissen glauben, denn: “Der Kriegsherr bittet nicht, er befiehlt.“
Von den Mauern der Burg schweift das Auge über die von gut 700 Äcker Weideland, auf denen die bekannten Darpatrinder grasen, die man vielerorts ob ihres zähen Leders und reichhaltigen Fleisches schätzt und die Freiherrschaftliche Stadt wie ein grüner Mantel umschließt. Das Hüten der fleischreichen Rinder ist im Ort äußerst unbeliebt, kann man doch nie sagen, wer einen im Zwielicht des anbrechenden Abends über den Weg läuft. Glücklich kann sich der schätzen, der zu Hand-und-Spanndiensten auf die Burg berufen wird. Denn wo früher Goblinrotten und Räuberbanden die schlimmsten Gefahren darstellten, droht heuer dämonischer Schrecken den unvorsichtigen Wanderer in der Nacht zu holen. Nicht nur nachts ist der schwarze Sechsspanner, fensterlos und mit weißen Boronsrädern verziert, des Golgaritenordens zu erspähen, wie er geschwind die nahe gelegene Reichsstraße I entlang rollt, die unweit der Stadt vorbei führt. Beim buckligen Kutscher ist weder das Woher noch das Wohin und erst recht nichts über den Inhalt der versiegelten Kisten zu erfahren, die er eilig auf den Burghof wuchtet. Der kahle Ordensknecht ist stumm geboren, und wurde wohl gerade deshalb von den auf Verschwiegenheit bedachten Boronis mit dieser Aufgabe betraut.
Geschäftiges Treiben sind in Ingrimmshof nur noch Erinnerungen an bessere Zeiten. Der Nekromantenrat im Osten und die Herrscher von eigenen Gnaden im Westen haben die Handelswege der Baronie stark beschnitten. Folglich finden nur wenige Kaufleute ihren Weg in die Region, weiter genährt durch die im Winter nur schwer passierbaren Wege. So hat sich der Golgaritenorden zum Hauptabnehmer für die Waren der hiesigen Handwerker entwickelt, die sich mit ihren Schmieden und Werkstätten um den kleinen Ingrimmtempel angesiedelt haben. Der alte Jobst, der hier einen einst begangenen Frevel sühnen will, hat seinen sakralen Dienst bereits vor der Ogerschlacht aufgenommen und mag dem respektvollen Besucher so einiges aus der bewegten Vergangenheit der Baronie erzählen. Vom Schicksal kaum besser bedacht, sind die Weidebauern in Allern. Das einstige Bauerndorf ist im Laufe der Jahre mit der Baronsstadt verschmolzen und bildet das Zentrum der hiesigen Landwirtschaft. Die verschiedenen Heerhaufen haben sich großzügig an den Herden bedient, so dass die Milchbauern gelegentlich unter Milchknappheit leiden, bis die Zucht die Ausfälle ersetzen kann. Unter das Bauernvolk haben sich Küfner gemischt, die Fässer für die gute Devensberger Butter herstellen.

Baronie Devensberg, © Marcus Brohasga
Text: Tahir Shaikh
|
|
|