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Knappin  Isarma von Dohlenhorst

Schwester Isarma, Knappin vom Orden des Heiligen Golgari und Dienerin Golgaris

 

Finsternis legte sich über die Heide, doch nicht die Finsternis des Bösen war es, sondern die Dunkelheit der Nacht, die Dunkelheit einer Nacht, in der das Madamal fern war und nicht am Firmament. Nur matt leuchteten die Odien des Herrn der List am Himmelszelt und tauchten die weite Heide in ein silbriges Licht.

Die zierliche Maid stand nun dort, auf eben jener Heide, aufragend wie ein gewaltiger Baum inmitten der flachen Sträucher. Unentwegt und unverzagt schritt sie vorwärts, setzte einen Fuß fest vor den anderen und näherte sich ihrem Ziel. Wie ein körperliches Zeichen für ihr Unverzagen hielt sie den schwarzen Hammer vor ihre Brust. Doch mitnichten ein Hammer war es – nicht für grobe Arbeit gedacht und gefertigt – sondern Fokus ihrer inneren Kraft und göttlichen Zuversicht. Es war ein geweihter Rabenschnabel.

Sie hatte ein Ziel, selbst gewählt auf aufgegeben. Sie suchte ihn, den Helden eines Kampfes, der hier sein Leben gelassen hatte. Er sollte die Riten des Raben empfangen, des Herren über den Tod und alles was danach kam. Dies war ihre Aufgabe – sie würde den Ritter heimbringen

Curriculum vitae:

Sie wurde  im Jahre 1003 nach dem Fall des vieltürmigen Bosparan als zweites Kind des heuer heldenhaft gefallenen tobrischen Edlen Tonigurdis von Berinsbach in der Mark Beilunk. Dort saß das kleine Geschlecht der von Berinsbach seit einigen Generationen auf seinen Pfründen und Gütern, abseits all des Geschehens und der Ränke des höheren Adels. D die kleine Isarma Boronaia von Berinsbach wuchs in der heimischen Burg – nicht mehr denn  ein gut befestigtes Landhaus – ihres Vaters auf unter der gestrengen und sorgereichen Obhut ihres Bruders Refardian und ihrer Amme Nesta. Denn die Mutter der kleinen Isarma war ihrer Schwäche nach der schweren Geburt erlegen und in die Hallen Borons gegangen. Trauer hatte so das Haus Berinsbach die ersten Wochen umwölkt, doch die Freude über das Geschenk der jungen Göttin Tsa wuchs ebenso wie Isarma heranwuchs.

Es sollte eine schöne Kindheit für das kleine Mädchen werden, kümmerte sich doch auch ihr Vater, Rittersmann in der beilunker Mark, voller Liebe um seine einzige Tochter. Wie zum Ausgleich, so mochte es bald darauf scheinen, denn es hatten Tonigurdis und seine verschiedene Gemahlin Travianessa gelobt, ihr zweites Kind dem Herrn Boron zu weihen. Es sollte Isarmas Schicksal werden, die Weihen der Boronspriesterschaft zu empfangen. Es war in ihrem neuntem Lebensjahr, da Isarma erfuhr, dass sie für das Leben als Novizin in einem Kloster des Rabengottes bestimmt war. Ruhig und fügsam wie sie schon immer war, stellte sie sich dieser Ausbildung und trat das Noviziat im Boronshaus ‚Dohlenhorst’, welches sich nicht weit von den heimischen Landgütern befand, an.

Es sollten anstrengende Jahre werden für die kleine Isarma, denn obzwar Gott der Träume, war Boron ein Alveranischer, der sich seine Priesterschaft wohl auswählte. So war auch Isarmas Mentorin Schwester Reoclida eine gestrenge Frau, die den Raben inbrünstig verehrte. Es waren harte Jahre, doch auch friedvolle Jahre in dem abgelegenem Haus und nach all diesen Jahren des Studiums der boronischen Lehren empfing auch Isarma die Weihe des göttlichen Raben und wurde Dienerin des Raben geweiht.  Sie verrichtete ihren Dienst als Geweihte des Boron jedoch nicht in der Heimat – sondern weitab der beilunker Lande in den Höhen der koscher Berge. Dort hielt sie Messen und Liturgien zu Ehren des Gottes der Nachwelten. Dort wanderte sie von Bergdorf zu Bergdorf um die Anger und Schreine zu pflegen, wo kein Borongeweihter direkt bestellt werden konnte. Dort war es, da sie von dem Fall ihrer Heimat erfuhr und sogleich suchte sie nach Nachrichten über ihre Familie. Doch niemand wusste etwas und selbst der Herr der Träume sandte ihr auf ihr Flehen keine Bilder in die Nacht. Der Tod war ein Geschenk Borons, doch was Isarma wusste, war nicht der Tod ihrer Familie – sondern möglicherweise der Fluch des Nichttodes unter den leeren Augen des Drachen von Warunk. Isarma verspürte den Ruf, die Erlösung zu bringen, die Erlösung von solch einem Fluch, von solch einer Verdammnis. Sie machte sich auf, zu Fuß, zum nächsten Ritter des Todesboten Golgaris und erbat sich bei ihm die Aufnahme in den Orden der Verteidiger des Todes und der Kirche – um die Erlösung zu geben.

Exterieur:

Groß ist die Priesterin nicht - für mittelreichische Verhältnisse. Nur exakt 8 Spann ragt sie aufwärts vom Boden und wahrt dabei doch eine intensive Aura der inneren Ruhe, dass sie neben einem hünenhaften Ritter geradezu erhaben wirken kann.

Ihr stets glattes und seidiges Haupthaar ist lang und vermag ihr in angenehmen Wellen auf den Rücken zu fallen. Doch trägt Isarma es allzu häufig zu schlichten und praktischen Knoten gebunden, der ihr fest und steif im Nacken liegt. Isarma ist keine schöne Frau, aber auch keine hässliche. Sie besitzt klare, wohl definierte Züge, zumeist der Ruhe und der Ernsthaftigkeit. Ihre kräftigen Lippen könnten sich zu einem wunderschönem Lächeln formen, doch ist dies ihr Wesen nicht. Isarma lächelt selten … Das Einzige, was wirklich wunderschön zu nennen ist, sind die klaren Augen wie geschliffener Smaragd, von solch einem mystischem Grün. Schaut man ihr in diese Augen, dann ist einem als Blicke man in ein kristallklares grünes Meere.

Isarma ist keine Kriegerin, doch ausgemergelt und schwächlich ist sie darob nicht. Zwar ist ihr zierlicher Körper unter der schweren, würdevollen Robe der Priester Borons verborgen, doch ihre Haltung zeugt von auch von einer physischen Stärke. Ebenso ihre Hände, die nicht die schlanken, knochendürren einer horasischen Edeldame sind, sondern die einer Frau, die zupackt, wo es zuzupacken gilt.

Einzig ein geweihtes Rabenamulett aus Silber mit Onyx und ihr ständiger Begleiter, der Rabenschnabel „Rabenauge“, jenes geweihte Artefakt, welches sie mit der Aufnahme in die Bruderschaft der Golgariten erhielt, sowohl eine Waffe wie auch ein Relikt, zählt sie zu ihrem persönlichen Besitz. Ihn weiß sie wohl zu führen, so es vonnöten ist und mit ihm geht die Priesterin gegen die Unbilden des Bösen vor.

Interieur:

Isarma war schon immer ein ruhiger Kind und wurde zu einer ruhigen Frau, die eine Aura der inneren Kraft und Ruhe umgibt. Sie ist nicht laut und aufbrausend, ihre Stimme gleicht eher einem Windhauch, doch ihre Worte sind klar und deutlich gewählt. Sie spricht nicht viel, wie es sich für eine Geweihte des Boron gehört. Doch wenn sie die Lippen öffnet, dann hat sie etwas mitzuteilen.

Mochte sie auch erst nicht freiwillig in den Dienst des Boron getreten sein, so empfing sie freiwillig und voller Inbrunst und Frömmigkeit die Weihe des Raben. Der Glaube an Boron ist ihr Lebensinhalt, die Verteidigung seiner Gaben und seiner derischen Diener ihr Zweck auf Deren. Isarma glaubt, dass der Gott ihr diese Aufgabe zuteil werden ließ und verfolgt diese Aufgabe. Isarma ist zielstrebig und konzentriert. Oftmals hat sie für Dinge, die ausserhalb ihres derzeitigen Weges liegen, nicht die geringste Beachtung übrig.  Dies scheint ihr großer Nachteil zu sein – wenngleich man die Innigkeit, mit der sie einer Aufgabe nachgeht, ehren kann.

Für eine Geweihte des Boron ist Isarma wenig träumerisch – sie ist eine Frau, die weiß, anzupacken, wo es anzupacken gilt. Sie scheut nicht vor körperlicher Arbeit und geht oft bis an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit – und darüber hinaus. Schonung für sich selbst kennt sie nicht, der Dienst nicht nur in den Reihen der Priesterschaft des Boron, sondern auch in allen Geweihtenschaften ist fordernd und geprägt von Mühsal und Arbeit. Doch Isarma schätzt den Dienst und widmet sich ihm als Teil einer kultischen Handlung.

 

Text & Zeichnung: Nils Mehl