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Knappe Kamim Dorc

Bruder Kamim, Knappe vom Orden des Heiligen Golgari

Mit einer makellosen und kunstvollen Schrift schrieb er den ersten Kanon der Lex Boronia beinnahe völlig aus seinem Gedächtnis nieder. Es ehrte Kamim sehr, dass sein Lehrmeister ihn anwies dies zu tun, da dieses seidige Papier und die farbige Tinte sehr teuer waren und nur wenigen egal welchen Alters diese anvertraut wurden. Mit seinen gerade 17 Jahren beherrschte das Garethi und Bosperano wie nur wenige Jugendliche.
Nach einiger Zeit legte Kamim die Feder zur Seite. Das Kerzenlicht fing an in seinen Augen weh zu tun und seine Sorgen vor den baldigen Ereignissen konnte er auch nicht mehr überspielen. Er fragte sich was er fühlen würde, wenn er töten müsste; was er spüren würde, wenn er getötet werde.
Schnell band er sich seinen Mantel um und lief hinab zu den Heldengräbern; das Madamal schien in seiner völligen Pracht. Zwar konnte er sich keinen schaurigeren Ort zum spazieren vorstellen, aber irgendwie fühlte er sich unter den Veteranen “sicher” und die stille gab ihm ein beruhigendes Gefühl.
Auf dem Platz herrschte völlige stille, trotz des gesamten Ordens der hier verweilte, um in kürzester Zeit gegen den Endlosen Heerwurm nach Wehrheim zu marschieren. Erst nach langer Zeit fiel ihm ein einziger Ritter auf, der zwischen einigen Bäumen mit seinem Schatten kämpfte.
Kamim schlich sich heran und schaute ihm zu, wie er mit seiner Boronsichel immer wieder seine Schläge mit wiederholte.
Sie kamen ihm so präzise und schnell vor, dass er beinahe Angst bekam, ein solcher Krieger könnte ihm in Wehrheim gegenüber stehen.
“ Solltest du nicht lieber schlafen Junge?”, schnellte der Ritter, ohne seine Bewegungen zu beenden.
Kamim zuckte zusammen und fühlte sich ertappt: “ Ich..., ich schaffe es nicht mal daran zu denken Herr!”
“ Das schaffe ich auch nicht”, er stellte seine Übungen ein, “ Wie heißt du?”
“ Kamim Dorc, Herr, ich bin der Knappe der Landmeisterin Niam”, flüsterte er.
Der braungebrannte Mann nickte vor sich hin, als ob er Kamim vergessen hätte.
“...Sie erwähnte dich heute morgen.”, wieder hob er sein Schwert und fing mit seinen Übungen an,
“Sie sagte du seiest weder groß, noch kräftig. Besonders schnell oder geschickt sollst du auch nicht sein... Doch einen festen Glauben hast du. Aber willst du wissen, was eigentlich der einzige Grund ist, warum sie dich noch nicht zu den Boronis gebracht hat?!”
“ Ich war immer zu sehr damit bemüht ein guter Golgarit zu sein, um an diese Alternative zu denken. Aber selbst wenn, wollte ich kein Geweihter werden.”, seine Stimme war immer noch kaum mehr als ein flüstern.
“Eben. Niam meinte, dein Wille sei so einzigartig auf Dere, dass ein blasser Junge wie du ihr beinahe Angst machst.... Glaubst du, du bist stark genug um dich vor Wehrheim behaupten zu können?”, die Stimme des Fremden war immer noch voller Ruhe.
Kamim suchte kurz nach einer “richtigen” oder “guten” Antwort, fand aber nur die eine:
“ Ich werde für alles stark genug sein, was Boron für mich vorgesehen hat.” Er zuckte nur noch mit den Achseln, lächelte als einziger kurz und ging zurück.

 

Text: Andreas Dolheimer & Paul Simon