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Ritter
Marbon
Bruder Marbon, Ritter vom Orden des Heiligen
Golgari
Marbon scheint weder ein grossgewachsener Hüne
noch ein Zwerg zu sein, von gutem, kräftigem, aber kaum überragendem
Wuchse mag man ihn bezeichnen. In der Statur füllt er sein Rüstzeug
gänzlich aus, mitunter wohl ein wenig dicklicher am Bauche ausfallend.
Weder geschmeidig noch mit hölzernen Schritten sich bewegend, bedient
er sich jener ruhigen, fast gemächlichen Gestik, wie es einem Diener
Borons geziemen mag. Das Antlitz ist kantig, frei von Barte oder helmischer
Wehr. Im kurzgeschorenen Haar sind nur noch wenige dunkle Strähnen
zu entdecken, sonstig erklärt Firunens weisse Pracht sein Alter.
Die Haut, wettergegerbt von vielen Reisen, ist nun, wenn sie überhaupt
einst von hellem Tone, gänzlich sonnengebräunt. Unter kurzen
dunklen Brauen wärmen Augen vom Grau der Achate mit beständig
beruhigendem Licht. Gut 50 Lenze mag sein Leben zurückreichen und
Spuren dieser vielen Jahre zeigen Harnisch und Waffe. Der Ritter, der
nur zu feierlichen Anlässen, das Rüstzeug mit der Kutte vertauscht,
trägt einen, mit Beulen übersäten, Harnisch archaischer
Machart. Fast klobig und sicher unbequem, beengen Platten seine Schultern,
der Torso aber ist unausgewogen geschmiedet, nur der Stahl aus dem er
geschaffen, zeigt seine Qualität. Nachträglich geschwärzt
ist er wohl, eben wie die Schienen, welche an den Beinen bis unter die
schweren Reiterstiefel reichen. Kratzer bedingen, dass hier und an anderen
Stellen aus dem russigen, hellschwarzen Streifen hervorblitzen, halb verhüllt
durch den weissen Mantel seines Ordens. Und obschon, mit dem Tode vieler
seiner Kameraden, so manch passende Rüstung zur Verfügung stünde,
scheint er nicht geneigt die Wehr, die ihn so oft errettet, durch eine
neue zu ersetzen.
Zum Reiter wurde er einst ausgebildet und so
ist es nicht verwunderlich, das er statt der Boronssichel, Rabenschnabel
und Schild bevorzugt. Dieser, ein wenig kürzer wohl als jene, die
im almadanischen geschmiedet werden, trägt wie viele in der Kirche
des Schweigenden das Angesicht ihres Wappenvogels, das Haupt des Raben.
Marbon besticht durch jene Tugenden, die ihm
von Kind an angelernt und in der Kirche des Schweigenden gern gesehen;
die da sind: Bescheidenheit, Demut und Besonnenheit. Wie die meissten
seiner Kameraden hat er jegliches Streben nach materiellen Gütern,
weltlicher oder kirchlicher Macht längst hinter sich gelassen.
Die Riten an seinen Herren praktiziert er ebenso
wie seinen Dienst an der Waffe mit fast teilnahmsloser Hingabe, selbst
der heilig genannte Zorn kommt nur selten über ihn. Pathos ist ihm
fremd, auch wenn er mitunter fast unwillentlich zu predigen beginnt. Eben
der Herrin Marbo, deren Name er zur Weihe erhielt, ist er, wenn auch selten,
zur Barmherzigkeit bemüht und bereit. In Disputen, so einmal dazu
angehalten, ist er störrisch, hält selbst der besten Rede nur
die einfachen Wahrheiten der Boronis entgegen. Nicht in der Lage, nicht
bereit zu zweifeln, mag er mitunter hinterwäldlerisch, ja konservativ
wirken. Dennoch hungert er nicht nach jeder Schlacht und stürzt sich
in jeden Händel; dem Fanatismus in herkömmlicher Weise unterliegt
er nicht.
Weder als übermäßig veritabler
Kämpe noch als gekonnter Rethoniker sticht er aus der Menge seiner
Brüder und Schwester hervor, vielmehr sind es Zielstrebigkeit und
Standhaftigkeit, derenthalben er allzu oft als Botenreiter Verwendung
findet. Seine wenigen privaten Laster sind Wissbegierde und eine ungute,
übertriebene Verliebtheit in den Tod. Ersteres erschließt sich
einzig und allein im Studium der Geschichte, während zweiteres, obschon
noch nie in Vernachlässigung seiner Pflichten entartet, der Grund
dafür sein mag, dass er als einer der langgedientesten Ritter im
Orden in der Hierachie der Kirche noch nicht aufgestiegen ist.
Nur wenig Licht fällt auf die vielen Jahre,
die vor dem Eintritt Marbons in die Kirche des Borons, vergangen und gelebt
worden sind. Sicher ist das er im Tobrischen, in Eslamsbrück unter
dem Monde seines Herren geboren ward und das ein gnädiger Edler,
ihn, einen Bastard seiner Lenden, trotz seines Makels aufgezogen hatte.
Datieren mag man diese Geburt auf gut 15 Jahre vor der Thronbesteigung
des vielgeliebten Hals, über seine Kindheit indes weiss nur er selbst
und jener Geweihter, der ihn im Tempel aufgenommen hat, genauer Bescheid.
Erst als erwachsener Mann soll er sich als Novize im dortigen Tempel,
in einem kleinen Dörfchen nahe Eslamsbrück, vorgestellt haben.
Die ersten dieser Götterläufe verbrachte er gänzlich hinter
den Mauern dieses Gebäudes verborgen. Mit der Weihe zum Diener des
Raben legte er seinen alten Namen und seine Familienbindungen ab und arbeitete
bis 21 Hal als Gehilfe und später selbst als Archivar im Tempel.
Als einer der ersten trat er mit der Gründung
in den Orden des heiligen Golgari ein, mithin, da er adelig, zum Ritter
seiner Kirche geschlagen.
Die letzten Monde des Orkensturms und weitere
Jahre darüber hinaus, fungierte er als Tempelwächter zu Punin,
alsdann ritt er auf Botenritten quer durch die Reiche Rauls des Grossen.
Hierbei und auf wenigen göttergefälligen Questen und Einsätzen
hatte er so manches Gefecht auszustehen, entsendete Frevler in die Hallen
des Schweigenden.
Text: Jens Teubler
Spieler: Jens Teubler
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