Zurück zur Startseite  
Zurück zur Startseite Eine Übersicht der Webseite Über uns! Schreib uns! Weiter zu ausgwählten DSA Seiten Stöbere in den Ordensschriften oder trage dich ins Gästebuch ein! Werde Ordensmitglied!
Alles über den Aufbau
     
 

Knappe Throndwig

Bruder Throndwig, Knappe vom Orden des Heiligen Golgari

Geboren wurde Throndwig im Jahre 1009 nach Bosparans Fall in der ehemaligen Markgrafschaft Warunk. Er gehört somit zu der Generation Mittelreicher, die sich an Kaiser Hal nur noch als Erzählung ihrer Eltern aus besseren Tagen erinnern. Da sein Vater ein angesehener Offizier in der städtischen Garde war, hatte die kleine Familie ein gutes Auskommen und Throndwig verlebte seine Kindheit glücklich und ohne Nöte in der markgräflichen Residenzstadt. Dies alles änderte sich, als die Borbaradianer vor den Toren der Stadt standen. Throndwig und seine Mutter flohen in letzter Sekunde mit einem vollbesetzten Boot aus der Stadt, den Radrom hinab Richtung Beilunk, während sein Vater in der Stadt verblieb. Throndwig sollte ihn nie wieder sehen.

Nach einigen rastlosen Wochen zwischen unzähligen Flüchtlingen in den Straßen Beilunks, war Throndwigs Mutter unter dejenigen, die beschlossen hatten, alles auf eine Karte zu setzen und mit einem Schiff bis in das sicher erscheinende Perricum zu fliehen, da Beilunk scheinbar kurz vor dem Fall stand. So gab Throndwigs Mutter all ihre Ersparnisse an einen verwegenen Kapitän, der sich von diesem „Transportgeschäft“ unermesslichen Reichtum versprach. Der wäre auch tatsächlich gekommen, hätten nicht borbaradianische Seeräuber das heillos überfüllte Schiff aufgebracht und in Brand gesetzt. Zu Throndwigs Glück, entschloss sich der Kapitän des feindlichen Schiffes drei Jungen vom Flüchtlingsschiff auf sein eigenes zu holen, da er während der ganzen Scharmützel mit der kaiserlichen Marine einige Matrosen verloren hatte. Dies änderte nichts daran, dass Throndwigs Mutter zusammen mit unzähligen anderen ein nasses Grab im Golf von Perricum fand…

So verbrachte Throndwig einige Monate auf dem Schiff seiner „Retter.“ Die anderen beiden Jungen wurden früh Kiel geholt, da sie sich störrisch und aufmüpfig zeigten, doch Throndwig ertrug die Widrigkeiten, denen er ausgesetzt war mit unendlicher Gleichgültigkeit. Das Schiff verkehrte auch nach der Dritten Dämonschlacht noch im Golf von Perricum und segelte zwischen Oron, Maraskan und dem besetzten Tobrien hin und her. Throndwig passte sich in dieser Zeit so gut es ging den Piraten an. Aus dem schweigsamen und braven Kind, wurde ein mürrischer und wortkarger Heranwachsender, der sich seinem Schicksal gefügt hatte. Mit gerade einmal 16 Götterläufen hatte er bereits exotische und riesenhafte maraskanische Tiere gesehen, notgedrungener Weise sein Leben bei wilden Enterkämpfen verteidigt und war in den Hafenschänken Llankas von tulamidischen Söldnern mit billigem Bier übergossen worden.

Doch auch diese Zeit endete irgendwann. Im Frühling des Götterlaufes 1025 beschloss er, dem ganzen ein Ende zu setzen und endlich Rache zu nehmen. Als er eines Nachts Wachdienst hatte, legte er im Bug und am Heck Feuer, steckte die Segel in Brand und verließ eilig das Schiff in einem Beiboot, das er dafür vorbereitet hatte. Aus kurzer Entfernung hörte er irgendwann die Rufe der ersten Erwachenden und die Befehle des Kapitäns. Er hörte auch seinen eigenen Namen öfters, doch irgendwann hatte der Kapitän wohl gemerkt, dass sein Schiffsjunge fehlte.

Eine ganze Nacht ruderte Throndwig in die Richtung, wo er die Küste vermutete. Falls die Piraten ihn verfolgen würden, müsste er sich beeilen, doch er war sich recht sicher, dass der Kahn dazu entweder zu beschädigt, oder sowieso gesunken war.

Das erste Schiff, auf das er stieß war ein kleines aranisches Handelschiff, das gerade nach Zorgan segelte. Throndwig erzählte ihnen eine verrückte Lügengeschichte, die seiner eigenen sehr ähnlich war, jedoch den Fakt ausließ, dass er als Schiffsjunge auf einem Piratenschiff gedient hatte. Die Aranier nahmen den heruntergekommenen Jungen auf ihr Schiff und gaben ihm beim Travia-Tempel der Stadt Zorgan in Obhut. Dort hielt es der, inzwischen völlig verrohte Knabe nicht lange aus. Das aufdringlich-freundliche Verhalten der Priester widerte ihn an. Völlig orientierungslos geriet er in die Hände gewissenloser Schurken, die ihn als Sklave nach Oron verkauften.

Während all dieser Qualen, die er als Knecht eines mit den Dämonen buhlenden Großbauern durchlebte, hielt ihn sein Glauben an die Götter am Leben. Er machte ihnen keine Vorwürfe. Hätte er nicht die schützende Obhut des Tempels verlassen, dann wäre er sicher nicht in diese Misere geraten. Es vergingen Monate und schließlich Jahre, bis die glückliche Meldung kam, dass Dimiona, die Herrin Orons, von König Arkos Shah erschlagen worden war. Da der Hof, auf dem Throndwig nun seit zwei Götterläufen gelitten hatte, nah an der ehemaligen Grenze lag, war er schnell befreit, sein grausamer Herr jedoch längst geflohen. Fürsorgliche Soldaten nahmen ihn mit und schließlich landete er wieder in Zorgan, wo er mit anderen Befreiten und unzähligen Flüchtlingen untergebracht wurde.

Eine Nacht verbrachte er wieder im Travia-Tempel, doch dieser war so kurz nach dem Krieg überfüllt mit Hungernden und Flüchtlingen. So suchte er zunächst vergeblich nach einer Unterkunft, bis er den Tempel des Herrn Borons betrat. Die Ruhe, die dort herrschte, nahm sofort Besitz von ihm ein. Danach hatte er sich nun seit fast zehn Götterläufen gesehnt. Ruhe, Frieden, keine Störung durch andere. Selbst die Priester im Schatten wirkten für ihn so, als wären sie nicht da. Das erste Mal seit langem, verspürte er Freude in seinem Herzen, dass es solche Plätze noch gibt. Selbst die brodelnde Stadt draußen war nicht mehr zu hören. Da reifte in ihn ein wichtiger Entschluss. Er wollte sein Leben von nun an Boron widmen, aber nicht hier, wo ihn alles zu sehr an die Zeit in Gefangenschaft erinnerte. Nein, er wollte zurück in seine Heimat!

Er hatte nicht viel über Warunk erfahren, in den letzten Jahren, wusste aber wohl, dass es immer noch in den Händen des Schwarzen Drachen lag. Zumindest vermutete er dies. Aus dem Norden waren lange keine Meldungen mehr gekommen, was das Raulsche Reich betraf. So beschloss er sich eines Tages auf den Weg dorthin zu machen und sah allerlei Leid auf seiner Reise. Schließlich erreichte er Gareth, die einst stolze kaiserliche Metropole. Auf dem ersten Anblick lag sie in Schutt und Asche. Doch dann sah Throndwig, wie sich im Schatten der Trümmer Leben rührte und immer noch Menschen ihren Geschäften nachgingen. Dann war das mit der fliegenden Festung doch kein Gerücht gewesen, schoss es ihm durch den Kopf. Es war bereits der Monat Rondra des Götterlaufes 1029, als Throndwig das erste Mal einen Fuß in die Stadt setzte, wo er selbst unter den vielen Einwohnern auffällig wirkte.

Der gut 1,8 Schritt messende junge Mann mit leichten Warunker Akzent und aranischer Kleidung, sowie mit langem braunen Haar und einem wild gewachsenen Bart, fragte sich zurückhaltend durch die Stadt hindurch. Während seiner Gefangenschaft hatte er nie seinen Herren direkt ansehen dürfen, was sich nun bemerkbar machte und den grobschlächtigen jungen Mann schüchtern und zurückhaltend erschienen läßt.

Als er sich nach seiner Heimat erkundigte, da weiteten sich die Augen der Befragten vor Entsetzen. Traurig musste sich Throndwig anhören, dass erst vor wenigen Monaten ein Heerzug Warunk befreien sollte, dabei aber kläglich gescheitert war. Zorn stieg in Throndwig auf, da er nicht anwesend gewesen war, als es darum ging seine Heimat zu befreien.

Zögernd erkundigte Throndwig sich danach, wer nun noch die Stellung im besetzten Land hielt. Als Antwort erhielt er, dass sich wohl nur noch Kämpfer Borons um die, von Untoten verseuchte Warunkei kämpfen.

Welch Zufall, schoss es Throndwig durch den Kopf, dass gerade in seiner Heimat die verfluchten Untoten hausten, wo er doch schon in Zorgan den Entschluss gefasst hatte, Boron zu dienen. Nun konnte er dabei wirklich nützlich sein, dachte er sich und hielt diesen Zufall für ein Zeichen. Er würde sich diesen Golgariten anschließen, in der Hoffnung, eines Tages, Seite an Seite mit ihnen, als Kämpfer Borons wieder einen Fuß in seine geliebte Heimat setzen zu können. Er hatte auch nichts zu verlieren, sollte er ihren Lehren folgen. Land besaß er nicht, Verwandte waren ihm unbekannt und sein Besitz beschränkte sich auf die Sachen am Leibe. So machte er sich auf dem Weg, sich dem Komtur von Garetien anzudienen.

 

Text: Marc Thorbrügge