 |
|
Knappin Yasmina Sandström
Schwester Yasmina, Knappin vom Orden des
Heiligen Golgari
Aus dem Tagebuch der Yasmina von Festum, welches
sie seit ihrer Rondra- Weihe führt:
"18.HESinde 1027BF:
Endlich. Mein erster großer Einsatz außerhalb der Tempelmauern
hier in Rommilys. Morgen brechen ich, Emmeran und noch zwei Knappen, die
ich nur vom sehen kenne, mit unseren Anführer von Tannhaus auf. In
einem alten Druidenhain, irgendwo zwischen den Trollzacken und dem Radrom
ist eine Gruppe von Flüchtlingen festgesetzt. Den Ablauf haben wir
ganz genau durchgesprochen und es sollte kein all zu risikoreicher Einsatz
werden. Zumindest nicht für Rondrageweihte.
Wenn das meine Eltern und vor allem meine Brüder erführen.
26.HESinde 1027BF:
Einige Tage sind nach meinem letzten Eintrag vergangen und wir sitzen
gerade zusammengedrängt in einer firunskalten Kaverne irgendwo in
den Trollzacken. Ich hoffe, dass uns der Winter nicht all zu große
Schwierigkeiten bereiten wird. RONdra sei mit uns!
27.HESinde 1027BF:
Eine Gruppe von Marodeuren hat uns entdeckt und aus dem Hinterhalt überrannt.
Bei den Göttern, sie haben den Herrn von Tannhaus erwischt. Ich habe
vorher noch nie den toten Körper einer von mir verehrten Person gesehen.
Mada blickt gerade traurig auf uns herab - ich kann nicht schlafen. Wieder
und wieder träumte ich von Herrn von Tannhaus’ letzten Momenten.
Voltan und Sal, die beiden anderen Geweihten, sind fast unverletzt. Cassim
hat sich einige Rippen geprellt, hat aber trotzdem das Kommando übernommen.
Die drei Männer haben beschlossen mir in einem verschließbaren
Krug Herrn von Tannhaus’ Asche und seine Schwertfibel zur Aufbewahrung
zu überlassen.
FIRun 1027BF:
Wir waren mindestens zwei Wochen (wir haben das Zeitgefühl verloren)
unterwegs, als wir endlich den Druidenhain erreicht haben. Doch es warten
schon neue Probleme auf uns. Mehrere Banner von Söldnern sollen uns
noch diese Nacht angreifen. Cassim hat befohlen den Hain zu schützen
- doch was ist mit den Flüchtlingen? Ich bin nicht bereit Alte und
Verletze in den sicheren Tod zu schicken, nur wegen eines heiligen Hains.
So schwer es mir fällt und so sehr ich Cassim... schätze. Ich
weder wenn die Schlacht beginnt die Flüchtlinge in die Heimat führen.
Am Abend des Tages nach der Schlacht am Druidenhain.
Sie sind Tod. Alle. Als wir schon aus dem Hain heraus waren, riskierte
ich einen Blick zurück und sah, wie Cassim, Voltan und Sal vielen.
Doch die Verwirrung der Schlacht war so grosz, dass die Söldner unsere
spur verloren. Wir lagern gerade in einer Lichtung irgendwo westlich vom
Hain. Es ist alles still. Viel zu still.
Morgens, zwei Tage nach der Schlacht am Druidenhain.
Sie sind zurückgekommen. Welch Niederträchtigkeit meine eigenen
Kameraden als Wiedergänger auf uns zu hetzen. Wir konnten sie niederringen,
doch sind viele Flüchtlinge schwer verletzt und in der Kälte
unter dem Schnee werden wir wohl kaum Heilkräuter finden. Wir haben
ihre nun endgültig toten Körper verbrannt ihre Aschen und ihre
Schwertfibeln habe ich auch in meinen Krug gegeben.
Abend, zwei Wochen nach der Schlacht am Druidenhain.
Seid einigen Tagen breitete sich eine mysteriöse Krankheit unter
den Flüchtlingen aus. Heute hat Boron den letzten der Flüchtlinge
- ein kleine Junge Namens Pedder - zu sich geholt. Soll er auch mich haben.
Doch kann ich mir nicht mein eigenes Schwert ins Herz rammen, auch wenn
es sich so anfühlt, als hätte ich es getan. Ich zerstreute Pedders
Asche in alle Winde und nahm meine Schwertfibel ab. Ich hänge sie
um meine Kameraden, die im Krug den langen Schlaf halten.
Dies ist der letzte Eintrag, den ich in diesem Buch verfassen werde.
Ich bin nahe der Golgaritenburg Mersingen. Soll mich Golgari doch haben,
als RONdras’ Knappin habe ich versagt (...)"
Am 17. RONdra 998 BF einer kleinen Bauernstube wurde Yasmina in die Familie
Sandström eingeboren, als ihre Mutter - eine Schneiderin aus Vallusa
- und ihr Vater - einem garethischen Kaufmann von Vallusa nach Festum
übersiedelten, wo sich Yasminas Eltern niederließen. Yasmina
ist die jüngste von drei Geschwistern und musste sich immer gegen
ihre beiden älteren Brüder zur Wehr setzen. Und so geschah es,
dass Yasmina im Alter von zwölf Jahren von einem Rondrageweihten
aufgenommen wurde, der sie beobachtete, wie sie geschickt mit ihren beiden
um zwei und drei Köpfe größeren Brüder balgte. Der
Abschied von der Familie war für Yasmina nicht leicht, doch in den
vielen Jahren ihres Noviziats lernte sie ihren Jähzorn zu beherrschen,
wenn auch nie ganz abzulegen.
1024 BF wurde sie der Göttin Rondra geweiht, obwohl sie ihren Vorgesetzten
als „Freidenkerin“ immer wieder unangenehm aufgefallen war. Trotzdem,
oder vielleicht auch gerade deswegen, wurde sie im drauffolgenden Jahr
nach Rommilys versetzt um von dort aus an der Westgrenze der Schwarzen
Lande zu kämpfen.
Yasmina ist nicht viel größer als acht Spann und wirkt - trotzt
ihrer Körperkraft - zierlich. Sie erweckt keineswegs den Eindruck
eine Kämpferin zu sein. Ihre Augenfarbe ist je nach dem, wie das
Licht einfällt, zwischen blaugrau und einem hellen Felsgrau. Ihre
schulterblattlangen, weißblonden Haare trägt sie meistens offen,
so sie sie nicht bei ihrer Arbeit behindern. Dann steckt Yasmina die Haare
zu einem Knoten zusammen. Ihre Haut ist vom Wetter gegerbt.
Yasmina hat ihre Unbeherrschtheit und Unüberlegtheit nahezu vollständig
abgelegt, aber eben nur nahezu und sie wird alle ihre Ideale, Tugenden
und Pflichten verraten, wenn sie glaubt Leben zu retten oder ein höheres
Ziel zu erreichen. Dies führte bei einem Einsatz in den schwarzen
Landen, bei dem es um die Rettung von Flüchtlingen aus einem Sanktuarium
ging, zur Katastrophe und zum Verlust all ihrer Kameraden. Seit diesem
Einsatz in den schwarzen Landen fühlt sich Yasmina, durch ihren Bruch
mit Rondras’ Tugenden, verantwortlich für den Tod ihrer vier Kameraden
und den der Flüchtlinge. Sie wird von Schuldgefühlen innerlich
zerfressen und fühlt sich als Verräterin an der Göttin,
auch wenn sie nachdem ihre körperlichen Verletzungen auskurierten,
nach außen hin, wieder seelische Stärke demonstriert. Wenn
sie sich auch vor jeder Entscheidung zu drücken versucht, deren Auswirkungen
nicht nur sie betrifft. Nur jene, die sie über einen längeren
Zeitraum kennen, würden über den wahren Zustand der früher
so gesprächigen Knappin Bescheid wissen. Seid Yasmina Burg Mersingen
erreicht hat, führt sie einen mysteriösen, wasserdichten Krug
um den sie ihre Schwertfibel gebunden hat, mit sich. Das Geheimnis dieses
Kruges verteidigt sie verbissen - wenn nötig auch mit dem Schwert
-, doch kann man sie bisweilen dabei beobachten, dass den Krug mit „Cassim“,
„Voltan“, „Sal“ oder „Herr von Tannhaus“ tituliert. Seit den Geschehnissen
in den schwarzen Landen betet Yasmina oft nächtelang zu den Göttern.
Auch deswegen, weil die Stimmen ihrer toten Kameraden, die sie im Wind
säuseln hört, ihr verwehren Borons Geschenk des Schlafes anzunehmen.
Doch hadert sie nicht mit ihrem Schicksal, sondern akzeptiert es als Prüfung
der Götter und hofft, dass sie im Orden des Heiligen Golgari diese
Prüfung ablegen kann.
Text: Philipp W.
|
|
|